Von Michael Daum
Wir haben soeben ein neues Kapitel des Buchs der Geschichte geöffnet, ein neues Jahrtausend betreten und eine neue Revolution initiiert. Gestern noch waren wir Primaten und Jäger der Steinzeit, heute schon sind wir Jäger des Cyberspace auf der Suche nach Karriere und Glück und morgen sind wir vielleicht nicht einmal mehr Jäger, sondern Hüter einer Ultra-High-Tech-Zivilisation.
Alles fließt, so wusste schon Heraklit, aber wie sehr die Geschwindigkeit des Dahintreibens auf dem Strom der Zeit sich beschleunigen könnte, vermochte er wohl kaum zu erahnen. Man kann wohl auch heute noch behaupten, dass wir kaum in der Lage sind zu erahnen, wie schnell unsere Evolution mit uns voran galoppiert. So erleben wir denn auch heute einen breaktrough durch alte Konventionen der Evolution, die Evolution wendet sich iterativ auf sich selbst zurück und führt so zu einer Quadratur des Kreises - sie revolutioniert sich selbst.
Die Implementation der Technologie in unsere Kultur ist evolutionär betrachtet ein Quantensprung, die alte Metapher der Kreatur, die gegen ihren Schöpfer aufbegehrt, wird erneut bemüht, diesen Paradigmenwechsel zu beschreiben, jedoch nicht ohne die würzende Transformation der Elemente der Metapher in zeitgemäße Termini.
Wir leben in einer Zeit von Laptop und Lederhose, Virtual reality und e-commerce, oder auch Gentechnik und Neuronalen Netzen. Dass wir unsere Arbeit von überall auf der Welt erledigen können, ist genauso revolutionär, wie dass wir unsere Organe in Petrischalen aus Stammzellen nachzüchten lassen, unsere Börsenprognosen errechnen Superrechner und einkaufen gehen wir beim Fernsehen, mit dem Laptop auf dem Schoß. Kurzum - unsere Technologie definiert unsere Kultur, wir könnten unsere Lebenswelt nicht mehr adäquat beschreiben, wenn wir auf sie verzichten sollten. Bedeutende Philosophen haben vorgeschlagen, das Internet als neue Kulturtechnik zu verstehen, d'accord - dann fügen wir Gentechnik und Cyberspace wahrscheinlich als nächstes zu unseren Kulturtechniken - wie einst in Zeiten unserer Väter das Feuer, das Rad und die Dampfmaschine.
Dieser Text möchte weder anklagen, noch beeinflussen oder motivieren. Es gibt für jede dieser Neigungen Adressen - im Netz oder in der realen Welt; er möchte lediglich Informationen komprimieren, aufarbeiten und präsentieren. Es wird interessant sein für jeden zukunfts- bzw. technikinteressierten Zeitgenossen, und für jeden Kritiker ein gefundenes Fressen - denn es werden nicht nur Allgemeinplätze zerredet, sondern speziell die provokanten Thesen unserer gesellschaftlichen aktuellen Diskussion vorgestellt bzw. allererst formuliert.
Starten wir direkt, indem wir zu unserer Eingangsmetapher zurück finden, den Geistern, die wir riefen... Sie sind mittlerweile kaum noch zwei Zentimeter dick, leisten 1000 Megahertz und speichern mehrere Gigabyte - die Laptops der neuen Generation warten alle 3 Monate mit Steigerungen ihrer Leistungsfähigkeit auf, und wenn wir das Moore'sche Gesetz bemühen, dann wird das auch noch ca. 15 Jahre so weitergehen. Warum ist dies gerade der erste Angelpunkt der technologischen Revolution? Was ist an einem Computer denn nun so großartig anders als etwa an der Dampfmaschine, dem Rad oder dem Feuer? Die Rechner haben die bemerkenswerte und oft vernachlässigte Eigenschaft, dass sie sich redundant auf ihre eigene - und somit letztlich unsere Evolution auswirken. Wir haben mit ihnen Evolutionsbeschleunigungswerkzeuge geschaffen.
Das Moore'sche Gesetz besagt, dass sich die Rechnerleistung alle 18 Monate verdoppelt. Die exponentielle Wachstumskurve, die sich so ergibt, und die sich bis heute hervorragend bestätigt hat, erinnert stark an das organische Wachstum eines sich permanent teilenden Zellhaufens. Wie wir wissen, geht dieser Prozess dann in eine neue Phase über, die Siliziumchips gelangen an ihre physikalischen Grenzen, und es werden dann einzelne Moleküle als Transistoren fungieren. Erste Probeläufe in Harvard verliefen erfolgreich, und die nächste Evolutionsstufe steht auch schon parat. Es wird künstliche neuronale Netze geben, die die Rechnerleistung von Molekularrechnern und wahrscheinlich auch unseren menschlichen Rechner, den Neocortex, in den Schatten stellen werden.
Woher diese Zuversicht? - Warum sollte dieses Gesetz nicht viel wahrscheinlicher plötzlich seine Gültigkeit verlieren und uns endgültig die Grenzen des Machbaren aufzeigen? Nun, es gibt gute Gründe anzunehmen, dass dieses Gesetz ewig seine Gültigkeit behalten wird, die Kurve des exponentiellen Wachstums mag zwar einigen organischen Schwankungen unterworfen sein, aber sie wird ihre Dynamik nie einbüßen. Zunächst einmal liegt es daran, dass Rechner uns fortan selbst dabei behilflich sind, sie zu entwickeln, oder uns - je nach Gusto - nur noch eine Weile benötigen, um sich selbst weiter zu evoluieren. Wir designen die künftigen Rechnergenerationen schließlich, indem wir uns hochtechnischer Mittel bedienen, um die Leiterbahnen der Transistoren noch eine Atomlage enger aneinander zu bringen. Mittlerweile ist Chipentwicklung eine Domäne der Nanotechniker, die sich, gewappnet mit Rastertunnelelektronenmikroskopen, in sterilen Reinräumen an die Waferplatinen setzen, ihre Arbeit einem Chirurgen nicht unähnlich verrichten, und bemüht sind um Optimierung und Innovation. Aber auch das allein brächte uns keine Sicherheit in der Annahme, wir könnten unbegrenzte Rechnerleistung erlangen; was geschieht nämlich, wenn uns auf unserem Miniaturisierungsfeldzug die Gesetze der Physik in die Quere kommen? Wir mögen ja in der Lage sein, aus den Siliziumchips das Letzte herauszukitzeln, aber sagen wir mal, bei 10 oder 20 Gigahertz sei Schluß. Ein Kritiker würde simpel einwerfen, die Quantenmechanik würde spätestens dann dem Wachstum ein Ende setzen, wenn die Heisenbergsche Unschärferelation ins Spiel kommt. Bekannt ist, dass wir hier eine Barriere zu erwarten haben, weil die indifferenten Zustände von Quantenerregungen sich überlagern. Würden wir hier also anlangen - nachdem wir Transistoren von Glasröhren über Siliziumchips, Moleküle und Atome schließlich auf Quantenebene gebracht haben - dann würden Kritiker entschieden einwenden, dass hier endgültig Schluss sei, wenn wir überhaupt so weit kommen.
Dem gilt es zu entgegnen, dass wir hier nicht mit einer Grenze der Natur operieren, sondern mit einer Grenze unserer Erkenntniswerkzeuge, zudem einer vorläufigen.
Die Überlagerung von Quantenzuständen, auch Superposition genannt - die hier eigentlich eine Grenze markieren sollte - sie wird in ihrer Problematik dahingehend genutzt, dass man aus der Not eine Tugend macht und Quantencomputer konstruiert, die mit Hilfe von Superpositionen rechnen.
Doch noch haben wir den Kritiker nicht überzeugt: zwar hat IBM bereits einen Quantencomputer mit 5 Q-bits zum Probelauf gebracht, und er hat auch richtig gerechnet - doch noch sind die Algorithmen für komliziertere Anwendungen sehr knifflig, und die Quantenrechner beherrschen nur simple Rechenoperationen - die jedoch in nahezu Null-Zeit.
Es gibt derzeit weltweit mehrere Arbeitsgruppen, die damit beschäftigt sind, Quantencomputer weiter zu entwickeln, die Ansätze sind verschieden und reichen von Rechnern basierend auf menschlicher DNS, über Rechner aus künstlichen neuronalen Netzen, bis hin zu Rechnern, die Anregungszustäne einzelner Atome nutzen, um mit ihnen zu rechnen. Die Bandbreite der Anwendungen ist deswegen so groß, weil man prinzipiell fast alles als Rechner benutzen kann. Es braucht sich bloß Information mindestens zwei verschiedener Zustände codieren zu lassen: 0 und 1 müssen Repräsentanten finden, und die Recheneinheiten (Transistoren) müssen ihre Ergebnisse prozessual austauschen können - das alles so schnell wie irgend möglich. Ein Medium organischer Moleküle in einem Reagenzglas ist ein Computer, ein Netzwerk aus Nervenzellen ist ein Computer und dann auch noch ein Haufen Atome in Superposition?
Droht hier nicht der Begriff Computer derart ausgeweitet zu werden, dass er schließlich Alles und Nichts mehr umfasst?
Diese Gefahr droht nur einem zu starren Begriffsrahmen, denn uns ist klar, dass die Geräte, die wir in 10 Jahren Computer nennen werden, mit den heutigen unförmigen grauen Kisten kaum noch Gemeinsamkeiten haben werden. Erst einmal wird es kaum noch Kabel geben, die Endgeräte werden sich drahtlos über Funk bzw. Bluetooth-Technologie erkennen und vernetzen, wenn man sie bloß in die Nähe zueinander bringt. Die Software wird sich selbst ins Netz wählen, die Treiber selbständig aktualisieren, die notwendigen Verbindungsprotokolle erstellen und den Besitzer fragen, wie sie ihm dienlich sein können - per Stimme natürlich. Dann werden die Geräte kleiner und besser designed aussehen, zunehmend werden sich offene Hardwarekonzepte durchsetzen, die modular erweiterbar sind - dem Crusoe-Prozessor ähnliche programmierbare Chips werden weiter entwickelt, die Medien werden verschmelzen. Es wird sich ein einheitlicher Datenträgerstandard durchsetzen, vorzugsweise Kristalle oder Hochleistungschips im Thumbnailformat.
Auf ihnen wird Text, Bild, Photo, Videofilm oder Musik in standardisiertem Dateiformat speicherbar sein. Überhaupt aber wird es deutlich weniger Speichermedien geben - vielmehr werden alle Endgeräte netzfähig werden. So braucht eine digitale Videokamera oder ein Mp3-Player nicht mehr zu fürchten, dass ihm der Speicherplatz ausgeht - er kann seine Daten direkt ins Netz spielen oder sie daraus abrufen, in beliebiger Menge und von überall.
Sie sind aus dem Haus gegangen und haben vergessen, ihre Akten mitzunehmen? - oder den Videorecorder zu programmieren? - oder haben den Herd angelassen? - Sie kennen die Antwort...das Netz wird das für Sie tun, überprüfen oder beschaffen können. Droht nun also auch der Begriff Netz zu etwas zu verkommen, das letztlich Alles und Nichts für uns sein kann respektive will?
Das hängt sicher auch wieder völlig davon ab, was das Netz für uns sein soll, werden wir es vorwiegend für Kommunikation nutzen, oder wird es zunehmend ein Pool für das Wissen und die Daten der Menschheit - für deren Freizeit und Arbeit erster Anlaufpunkt - oder bloß ein sich entwickelndes Medium.
Noch ist das Netz ein Embryo, und wie das in der Organik mit Embryonen ist, sind die Stammzellen völlig undeterminiert - sprich das Netz hat heute noch das Potential, alles zu werden. Wir können auch, wenn der Markt es so will, die Rechenprozesse ins Netz auslagern, und unsere Endgeräte greifen auf Supperrechner im Netz zu, wenn wir anspruchsvolle Aufgaben lösen wollen - oder das Netz basiert weiter auf der Rechenkapazität seiner User - wie bei SETI bespielsweise - völlig offen.
Was wir aber sagen können, und zwar mit großer Sicherheit, ist, dass die Koevolution von Netz und Rechnern die Zukunft bestimmen wird.
Es ist nicht mehr lange nur die Industrie, die über diese Evolution entscheidet, anhand des Käuferverhaltens, sondern zunehmend wird es eine kulturelle Frage der Entwicklung unserer Gesellschaft. Die wichtigen Fragen der Sicherheit und Verfügbarkeit für alle werden sich nur politisch lösen lassen und international - wenn wir keine informative Klassengesellschaft heraufbeschwören wollen.
Kommen wir zunächst aber zurück zu unserem Kritiker, der das Wachstum bezweifelt, weil ihm physikalische Grenzen unüberwindlich scheinen. Nun, solche Befürchtungen hat es schon immer gegeben in der Geschichte, die Wirtschaft könne nicht immer weiter wachsen, sagte Marx; heute heißt es, die Rechnerkapazität könne nicht immer weiter wachsen, oder auch unsere Lebenserwartung könne dies nicht.
Bisher haben wir jedoch noch immer jede dieser Grenzen bezwungen, und in Punkto Lebenserwartung macht die Gentechnik auch enorme Fortschritte. Wir haben also geschichtlich wenig Rückhalt für solche Grenzversprechen des Wachstums. Was nicht ist, kann ja noch werden, darf der Kritiker einwenden, und schließlich ist es wahrscheinlicher, wir stoßen an natürliche Grenzen - irgendwann, als dass das Wachstum nie aufhört - dies gab jüngst einem Physiker Anlaß zu einer Rechenaufgabe: Der ultimative Computer war gefragt, und es ist ein schwarzes Loch!
Die Lösung der Aufgabe ergab, dass der Rechner an seiner eigenen Energie kollabieren würde. Er war angelangt bei einer Leistung von mehreren Teraflops Rechenleistung, und einer Dichte der Recheneinheiten, die die Grenzen der Quantenmechanik und künftiger Superpositionsrechner ausloten sollte - und dann stellte er fest - der Rechner würde sich selbst zerschmelzen - unweigerlich sei hier Schluß. Die Leistung könnte sich also noch um den Faktor einige Milliarden erhöhen in Bezug auf heutige Rechner, doch dann müßte die Superintelligenz sich selbst verschlucken vor schierer Geschwindigkeit der in ihr prozessierenden Energien.
Auf den ersten Blick scheint dieses Rechenexempel des Physikers unserem Kritiker recht zu geben, auch wenn es die Grenze um einige Potenzen weiter in die Zukunft auslagert - womit er für einige Furore auf einschlägigen Websites sorgte und auch in Fachzeitschriften - doch bei näherer Betrachtung bringt einen dieses Beispiel eher zum Schmunzeln. Schließlich hat er einfach die anfallenden Energien heutiger Rechenprozesse für seine Extrapolationen verwendet, er kann aber nicht sagen, mit welchen Innovationen bis dann gerechnet werden muß. Er ging von unabdingbaren Mindestanforderungen an ein computables System aus, wie etwa separierte Recheneinheiten, und deren Vernetzung über ein Energie transportierendes Medium.
Genauso gut könnte aber der Quantencomputer auch erst bloß ein weiterer Schritt hin zum Superrechner sein, dem noch viele weitere Schritte folgen mögen. Wer sagt denn, dass wir immer mit Energie rechnen müssen? - Wer sagt denn, dass ein Rechner immer eine materielle Grundlage haben muß?
Wenn wir heute bereits so weit sind, Quantencomputer in nahezu Nullzeit Probe laufen zu lassen, kurz nachdem wir dem Barbarentum der Steinzeit entkommen sind - wer mag da jetzt schon an die Vorhersage des ultimativ möglichen Rechenprozesses denken? Vielmehr ist davon auszugehen, dass wir im Rückblick auf unsere Epoche schon in wenigen Jahrzehnten unsere Computer Faustkeile schimpfen werden. Der Schlüssel zu höherer Rechnerleistung war bislang die Verkleinerung der Rechenelemente - auf Null wäre somit ultimativ - aber wie soll das bitte gehen?
Besinnen wir uns darauf, dass der Kosmos schließlich auch aus einer Null geschlüpft ist und dennoch schon alle Information seiner Komplexität in sich trug. Erinnern wir uns auch daran, dass wir wissen, dass die Raumzeit in der Quantenmechanik kein passives Medium ist. Sie fluktuiert vielmehr, und aus dem berühmt berüchtigten Higgs-Feld entstehen und vergehen permanent die Energien und Teilchen, die unsere vermeintlich konsistente Materie bilden. Da wir aber die Raumzeit selbst noch gar nicht in den Verdacht gebracht haben, etwas Rechenfähiges zu sein, mutet uns der Gedanke seltsam an, bei Null Substanz gibt es auch Null Rechnung.
Die Mindestanforderung wird gar nicht erst hinterfragt, es wäre ja auch bloße Spekulation, einen Schritt weiter zu denken - dann umgeben wir uns lieber mit Stimmen der Kritiker die uns die Endlichkeit predigen, des Wachstums, des Geldes und des Lebens....
Und berauben uns so der Chance, die Möglichkeiten realistisch abzuschätzen - schließlich geht es um Entscheidungen, die wir auch heute schon treffen müssen für die künftigen Generationen, und wir können uns gar nicht leisten, wieder aus einem finsteren Zeitalter der Verblendung in eines der Aufklärung zu münden - oder sollten es zumindest vermeiden wollen. Seien wir also realistisch - fordern wir das Unmögliche ( Che Guevara )
Die Raumzeitmatrix ist nach bisherigem Erkenntnisstand ein hochkomplexes vieldimensionales Gefüge, und damit weitaus mehr als leerer evakuierter absolut kalter Raum. Es handelt sich nach den Theorien der Superstring-Forscher sogar um etwas, das in letzter Instanz die Suche nach dem ersten Teilchen beantwortet und somit einmal die Formel für alles liefern könnte. Wenden wir uns dieser Theorie näher zu, so müssen wir erkennen, dass wir uns allgemein lieber in den bekannten 4 Dimensionen: Länge, Breite, Höhe und Zeit bewegen - die wir seit Einstein kennen.
Weitere brauchen nur Physiker und Mathematiker - Computer bestimmt nicht. Dieser Denkfehler läßt uns die Lage jedoch völlig falsch einschätzen, nicht die Substanz ist relevant für die Rechnung, sondern lediglich die Verknüpfung der interagierenden Ebenen des Systems. Diesen Sachverhalt losgelöst von einem Medium zu denken, ist uns mit dem uns gegebenen Rechner - unserem Gehirn - nicht leicht möglich. Grundsätzlich ist es aber möglich, ein wenig Abstraktionsfähigkeit vorausgesetzt, gelingt es, sich wenigstens die 5. Dimension vorzustellen. Die vollständigen 11 Dimensionen der Superstringtheorie überlassen wir vorerst den Mathematikern.
Stellen wir uns eine Seifenblase vor, und dann ziehen wir sie in die Länge, bis sie schließlich ganz flach ist. Wenn die beiden Membranen der Blase sich berühren, würden wir sagen, sie hat alles Volumen verloren und ist jetzt eine Fläche - eindeutig zweidimensional. Nun kehren wir das um - wir pusten sie wieder auf, nur mit dem Unterschied, dass wir diesmal annehmen es sei keine Luft und keine Seifenblase, sondern ein Elementarteilchen und Energie. Wir haben also aus einer Fläche eine Kugel gemacht, indem wir Energie benutzt haben. Genau so stellt man sich in der Superstringtheorie das Higgs Feld vor. Es entstehen an einer hauchzarten dimensionalen, energetischen Membrane permanent Blasen und Auswölbungen, es brodelt und schäumt. Diese Fläche ist aber keine Seifenlauge, die Blasen macht, sondern Raumzeit, und die füllt man mit Energie. Ist eine Blase hinreichend groß, dann kann sie sich ablösen und bekommt eine eigene Raumzeit - fällt sie aus Energiemangel zurück zur Membran, dann verschmilzt sie wieder mit ihr und gibt ihre Energie zurück. Der Energieerhaltungssatz wird also nicht verletzt, obwohl permanent Teilchen aus dem Nichts entstehen und vergehen - es ist wie mit Geld, nur die Bilanz interessiert. Dieser abenteuerlich anmutende Exkurs in die zeitgenössische Physik schildert nicht mehr und nicht weniger, als den Mechanismus der nach aktuellem Erkenntnisstand für die Masse, sowie für die Entstehung der Materie verantwortlich ist - natürlich ein wenig verkürzt.
Der Kritiker erwacht zu neuem Leben - was bitte soll uns dieser Ausflug in den Bereich der Superstringtheorie über unsere Problematik verraten, die wir mit der finiten Computerleistung haben? Diese Maschinen werden so sicher an ihre Grenzen gelangen wie auch die Sonne nicht ewig brennen wird und alles Wachstum seine natürliche Grenze findet - wie kommen Sie darauf, Computer könnten da eine Ausnahme bilden?
Wir haben bei unserer Visualisierungsübung einer fünfdimensionalen Sphäre eines an Perspektive hinzugewonnen - Computer können prinzipiell jegliche dem Menschen intellektuell zugängliche Sphäre nutzen, für computable Prozesse.
Wenn wir uns also aktuell mit der Ausschau auf Quantencomputer begnügen müssen, so gibt es doch bereits gute Evidenz dafür, dass wir in der Zeit, wo diese realisiert sein werden, bereits konkretere Aussichten auf Zeiten haben werden, wo Computer der übernächsten Generation unseren Alltag bestimmen werden.
Ein Computer, der auf fünfdimensionaler Basis operieren könnte, wäre freilich nicht einmal mehr an die Grenzen unserer vierdimensionalen Physik gebunden, womit sich gänzlich neue Horizonte eröffnen würden. Er könnte die nächste Ebene der Nano-Hierarchie als fruchtbaren Boden erschließen, somit auf Subquantenebene agieren, sprich die Raumzeit selbst als Medium seiner Rechenoperationen nutzen - wenn nicht gar die hypothetischen Quanten des fünfdimensionalen Hyperraums selbst nutzbar werden könnten - doch soviel nur, um die Möglichkeiten anzudeuten.
Bisher haben wir stets die Erfahrung gemacht, wenn sich Grenzen zu bestätigen drohten, dann tat sich aus meist unerwarteter Richtung plötzlich eine Tür auf, die uns eine neue Möglichkeit eröffnete. Solange es noch unbekanntes und erforschbares Terrain in unserem Kosmos gibt, sei es nun im Makro- oder im Mikrokosmos, so lange wird es Innovationen geben, die unseren Grenzphantasien spotten.
Insgesamt, so müssen wir angesichts dieser Aussichten einräumen, gibt es wohl noch mindestens noch einmal so viel Neuland zu erkunden, wie wir bisher erkundet haben - wenn nicht sogar unser erschlossenes Territorium bloß ein Fleck auf einer ansonsten weißen Karte ist.
Kehren wir also mit neuer Bescheidenheit in die vertrauteren Gefilde unserer Lebenswelt zurück, und reflektieren wir vor diesem neuen Horizont die Innovationen, die uns in absehbarer Zeit den Alltag revolutionieren werden. Was sich heute noch in den Kinderschuhen befindet, das wird binnen weniger Jahre den Alltag dominieren, der Handyboom machte den Anfang - der Laptopboom reiht sich ein - der UMTS- Boom zeichnet sich ab - und der Gentechnikboom läuft quasi parallel. Was wird diese Reihe fortsetzen? Aktuell zeichnet sich eine Welle der Eroberung von Wireless Piconet "Slaves" ab, Endgeräte, die autonom ihren "Lan-Master" erkennen, und sich ihm zu Diensten stellen - sobald sie in sein Bluetooth-"Herrschaftsgebiet" kommen.
Demnächst wird es eine komplett neue Revolution innerhalb der Revolution geben, die Nanotechnologie wird unseren Körper erobern - Nanosonden, die uns reparieren oder sondieren, Gefäße frei lasern, Medikamente zielgenau platzieren oder direkt Organregeneration stimulieren. Dem wird evtl. eine Ära folgen, in der wir es beherrschen, unsere Körper zu "designen" - auf Gedankenbefehl hin wird unser Körper sich formen, wie wir gerade in Stimmung sind. Mittels einer Zunahme kybernetischer Komponenten und sich verfeinernder Nanobots in unseren Blutbahnen alles eine Frage des Marktes - was gekauft wird, wird produziert werden.
Kommen wir zu abschließenden Betrachtungen - wir haben keine Grenzen aufdecken können; wenn wir ehrlich waren, kommt uns die Sphäre des Machbaren jetzt eher noch unabsehbarer vor als noch vor der Lektüre dieses Textes - woran mag das liegen?
Steigern wir das Szenario noch um einen Grad, um zu verdeutlichen, was iterative Evolution heißt - die Komponenten, die komplett neu in den Entwicklungsstrang münden, der besteht, werden sozusagen wie ein "Hebel" wieder auf die sie hervorbringende Entwicklung angewendet, um diese abermals voran zu treiben. Die technischen Innovationen bringen gleichsam ihre "Eltern" auf Trab. Der Computer hat sich als ein solches iteratives Element herausgestellt. Der bekannte exponentielle Faktor wird durch solche Iterationen noch einmal potenziert - denn gerade diese Rückwendung der Innovationen auf ihre eigenen Fertigungsprozesse steigert den Grad der Redundanz von exponentiell iterativen Systemen.
Zuviel Fremdwörter auf einmal? - OK, ein Beispiel: Der Computer hilft uns dabei, seine Nachfolger zu optimieren und bringt dabei die Nanotechnologie ins Spiel, weil er bloß noch auf dieser Ebene zu optimieren ist. Nun wird die Nanotechnologie uns dabei helfen, unsere Körper zu optimieren, und natürlich die Computer. Damit haben wir plötzlich schon zwei "Heinzelmännchen" - die uns assistieren, ihre und somit auch unsere Entwicklung voran zu treiben. Damit nicht genug - die Kombination von optimierten Computern, also auch miniaturisierten Computern, und optimierter Nanotechnologie wird eine neue Spezies "Heinzelmännchen" hervorbringen - intelligente Nanoroboter! - Diese werden sich selbst replizieren nach unserem organischen Vorbild, dies brauchen sie nur abzukupfern, und somit werden sie in nahezu unbegrenzter Zahl zur Verfügung stehen - wenn wir das wünschen, werden sie wachsen wie eine Kolonie Bakterien in einer Petrischale - allerdings mit dem x-fachen Potential einer Bakterie.
Wir ahnen, dass es auch damit nicht endet...es wird durch Kombination dieser Spezies von "evolutionsbeschleunigenden Heinzelmännchen" im Dienste der Menschheit stets weitere Innovationen geben, die überhaupt erst durch die Vorgängergeneration möglich wurden - diese Kette beschleunigt sich selbst - redundante Iteration genannt.
Bei so viel Optimismus bezüglich der Möglichkeiten des Wachstums sollten wir ein wenig Kritik nicht verschmähen. Natürlich birgt eine so rasant sich beschleunigende Evolution immense Risiken. Wenn das in die falschen Hände gerät...wenn die Nanoroboter nicht eingedämmt werden können...wenn sie ins unermeßliche wuchernd unsere Ressourcen verbrauchen....wenn sie falsch programmiert anfangen, uns zu schaden....wenn sie wie eine Virenschwemme unser Netz lahmlegen, usw.
Aber dem stehen im gleichen Maße unüberschaubare Vorteile entgegen, und schließlich gibt es nichts umsonst - so werden wir vorsichtig, aber sicher auch diese Hürde nehmen - wie das Feuer, das Rad, die Dampfmaschine, die Kernkraft, so nun auch die Quantencomputer und Nanoroboter - jede Medaille hat zwei Seiten.
Was läßt sich abschließend festhalten?
Die Evolution ist noch lange nicht zu Ende, und sie wird es vielleicht auch niemals sein. Sie wird sich künftig noch einmal um einige Potenzen beschleunigen, und dies wird sie noch ziemlich lange tun. Sie wird dabei auch neue Wege beschreiten, so wie die Einbindung der Technologie in eine bisher konsequent organische Evolution. Diese Integration neuer Konzepte wird aber eher befruchtend wirken, wie auch genetische Diversität unseren Genpool stetig bereichert. Eine Systemgrenze nach der anderen wird fallen, und neue werden sich temporär auftun. Die Technologie könnte vollkommen mit der Organik verschmelzen, sie könnte auch zu einer vollständig neuen Form der Kultur führen - bis hin zu einem neuen digitalen Lebensgefühl, ja einer Lebenswelt.
Was wir mitnehmen sollten, bevor wir den Essay irgendwo in den Tiefen unseres Neocortex einsickern lassen, ist die Einsicht, dass wir in den allermeisten Fällen von der Realität überrascht werden. Was wir für machbar oder möglich halten, wird von der Realität zumeist übertroffen, und vieles, was gestern noch Science Fiction war, ist heute schon Realität - oder wird es morgen. Die Zahl der Dinge, die unmöglich zu sein schienen, nehmen täglich ab - und Grenzversprechen sind skeptischer zu beäugen als Zukunftsmodelle, die uns sinnvoll überdacht zumeist realisierbare Visionen liefern, evtl. gar Patente oder Startup-Firmen sowie Arbeitsplätze.
Das sich herauskristallisierende neue digitale Lebensgefühl, eine Arbeits- sowie Freizeitwelt ganz nah am Internet - führt uns evtl. bald in eine neue Zeit von ungeahnten Möglichkeiten - heißen wir das willkommen.