
Unter HET = Human Enhancement Technologien (enhancement = Erweiterung, Verbesserung) werden technische Anwendungen verstanden, welche die natürlichen Fähigkeiten eines Menschen temporär oder permanent verbessern oder erweitern sollen. Im Gegensatz zu natürlichen Enhancement Methoden (bspw. Training, Sport, lernen, Meditation) handelt es sich bei HET um technische Anwendungen, wobei die Grenze zwischen "natürlich" und "künstlich" derweilen fließend ist. Die Möglichkeiten und Grade des Enhancement sind vielseitig und reichen von bereits alltäglichen Praktiken bis hin zu kontrovers diskutierten Anwendungen im Rahmen der Gentechnik.
So können gewissermaßen bereits Lautsprecher, Fernrohre und Rollschuhe als Enhanecment betrachtet werden, da sie menschliche Fähigkeiten über den natürlichen Status quo hinaus erweitern. Auch muss der Begriff relativ gesehen werden: in einer Gesellschaft, in der Kurzsichtigen die Norm ist, kann eine Brille schon ein Enhancement bedeuten. In der Regel werden aber unter HET High-Tech-Methoden verstanden, wie (hypothetische) Implantate und Prothesen oder Medikamente (bspw. Psycho-/ Neuropharmaka) zur Verbesserung der natürlichen kognitiven und physischen Fähigkeiten. Auch der Erwerb gänzlich neuer "nicht-menschlicher" Fähigkeiten, wie die Möglichkeit, mit Hilfe (hypothetischer) künstlicher Blutkörperchen (Respirozyten) 4 Stunden lang ohne zu atmen unter Wasser überleben zu können, wären HET.
Während natürliche Enhancement Methoden oftmals sogar als positiv betrachtet werden, werden HET kontrovers diskutiert. Dies liegt vor allem an dem "T" in dem Begriff, d.h. der Technik-Komponente. Die Hauptbedenken befassen sich mit der durchaus berechtigten Befürchtung, dass HET die soziale Ungleichheit enorm verstärken könnte. Wenn Verbesserung teuer und käuflich wäre, hätten die Reichen, die sich diese Prozeduren leisten könnten, sowohl physische als auch kognitive Vorteile den anderen gegenüber. Diese Verbesserten Individuen hätten bessere Chancen in einer auf Konkurrenz basierenden Gesellschaft - sie hätten bessere Jobchancen, ein besseres Einkommen, wären anderen physisch überlegen, hätten bessere Überlebenschancen und könnten ihren Nachkommen wiederum HET ermöglichen. Ebenso wird oftmals die "Eugenik" im Zusammenhang mit HET genannt. Aus diesem Grunde wird von vielen Menschen ein Verbot von HET gefordert sowie eine strikte Trennung zwischen therapeutischen und nicht therapeutischen Anwendungen. Selbst Transhumanisten - generell Befürworter von HET - sehen Gefahren in reinen markt-kontrollierten und liberalen Zugängen zu HET. Dennoch ist es ihr Anliegen, anstatt ein Verbot zu fordern, nach sozialverträglichen und ethisch akzeptablen Möglichkeiten der HET-Anwendung zu suchen. Hierzu ist es notwendig, ein allgemeines soziales Klima der Toleranz, Akzeptanz, Demokratie und des gegenseitigen Respekts zu schaffen.
Bestrebungen, wie die Herstellung von Generika im Arzneimittelbereich, die teilweise bis zu zwei Drittel billiger sind als die Originalpräparate zeigen einen prinzipiell möglichen Weg. Dennoch könnten die hohen Preise für Forschung und Entwicklung kaum durch einen billigen Verkauf von Medikamenten und HET-Anwendungen gedeckt werden.
Andere Kritiker des HET befürchten, dass hierdurch das Wesen des Menschen irreversibel verändert werden könnte.
Natürliche Human Enhancement-Bestrebungen wie bspw. die Einnahme von Naturpräparaten (Ginseng, Ginkgo, Lecithin, Kaffee) oder Praktiken wie Meditation, autogenes Training, (Raja) Yoga, (Persönlichkeits)training, „Dr. Kawashima’s Gehinrnjogging“ etc. werden hingegen fast durchgehend positiv bewertet. Neuro-/ Psychopharmaka (Prozak, Ritalin etc.) hingegen eher negativ.
Zudem ist auch eine Evaluation möglicher unerwünschter Nebenwirkungen und Sicherheitsbedenken, sowie etwaiger Zielkonflikte (trade offs) von HET notwendig.
Zählt man jedoch Computer, Multifunktionshandys, Navigationsgeräte, Infrarotbrillen und die am Horizont erscheinenden Augmented Reality Systeme und krafterhöhenden Exosklette zu HET könnte die die weitere Entwicklung des HET vermutlich weniger dramatisch und viel gradueller verlaufen, als von vielen befürchtet.
Dr. Miriam Leis
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Weitere Multimedia Dateien zum Thema HET:
Transflash : Eine 4-minütige in das Thema HET von Joel de Rosnay (englisch)
The Bionic Body Shop: Interaktive Site zum jetzigen Stand der modernen Prothetik, erstellt vom IEEE (emglisch)
Die "European Technology Assessment Group" führt dzt. ein Projekt zur Evaluation von HET durch:
Science and technology provide evermore means to influence human bodily functions, both mental and physical. "Human enhancement" technologies (HET) are used, developed or envisioned in several areas and application contexts such as assistive technology for disabled people, pharmacology, military research, and elite sports. There is also an ongoing political, social and ethical discussion on altering bodily functions. The aim of the project is to broaden the perspectives on HET and to engage various European stakeholders in the debate on HET. Besides looking at the general topic of human enhancement and the relevant technologies, the project focuses on various specific social practices and applications fields in which human enhancement and the discourse on them play a role. Of particular interest are actual and potential HET in the area of assistive/prosthetic technology and the related positions of disability groups and other stakeholders, against the background of expertise in disability studies and other pertinent research fields.
Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag
Brief Nr. 33 / Juni 2008
Schwerpunkt: Den Menschen »weiser und geschickter« machen?
Projekt der Europäischen Akademie (gefördert durch das BMBF):
Potentiale und Risiken des pharmazeutischen Enhancements psychischer Eigenschaften
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Stuttgart : Deutsche Verlags-Ansalt
Boehm, Gero von. 2000. Frankensteins Kinder. Diese Wahnidee, daß Menschen optimierbar seien...
Interview mit Jens Reich. In: Boehm, Gero von. 2000. Odyssee 3000. Reisen in die Zukunft. S. 15-54.
Boehm, Gero von. 2000. Im Netz der Superhirne. Interview mit Hans Moravec. In: Boehm, Gero von. 2000. Odyssee 3000. Reisen in die Zukunft. S. 69-108.
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