Engines of Creation

K. Eric Drexler

Engines of Creation

The Coming Era of Nanotechnology

Transhumanisten sind der Überzeugung, dass die Technologien der Zukunft das menschliche Leben radikal verändern werden. Dabei gilt die Nanotechnologie, die sich mit der Struktur und Veränderung von Materie auf der atomaren Ebene befasst, als die Technologie der Zukunft schlechthin. Ihre Bedeutung ergibt sich daraus, dass sie eine fundamentale Grenze überschreitet: Die Nanotechnologie erlaubt die völlige Beherrschung (innerhalb der Naturgesetze) von Materie auf der
elementarsten Ebene und ermöglicht es damit, fast alles zu bauen, was sich der menschliche Geist ausdenken kann. Sie ist die Grundlage von Technologien, die es in der Zukunft erlauben werden, den Alterungsprozess zu stoppen, die Rechenkraft von Computern um das Milliardenfache zu steigern, oder den Weltraum zu besiedeln.

Das Buch versucht einen Ausblick auf diese Zukunft zu geben. Im ersten Teil beschreibt Drexler die schwierige Kunst der Vorhersage und untersucht Konstanten menschlicher und technischer Entwicklung, die es erlauben, dennoch allgemeine Aussagen über die Zukunft zu treffen. Im zweiten Teil erläutert er die Möglichkeiten, die sich durch Nanotechnologie bieten werden: Selbst-replizierende Maschinen, die aus billiger Grundsubstanz Maschinen, Häuser und Raumschiffe bauen, die um ein Vielfaches leistungsfähiger und stabiler sind, als alles, was sich mit makroskopischer Technik konstruieren lässt, oder aber die mit Lebewesen interagieren, indem sie in die Zelle des Körpers eindringen und entstandenen Schaden reparieren oder Krankheiten zu besiegen. Es leuchtet ein, dass eine solch umfassende Technik auch riesige Gefahren birgt: Biologische Waffen mit immenser Potenz und Selektivität sind nur eine Möglichkeit. Der letzte Teil des Buches widmet sich diesen Gefahren und erörtert, welche Methoden es geben kann, um eine Katastrophe zu verhindern. Grundlegend dafür ist nach Ansicht des Autors ein Begriff, der sich durch das ganze Buch zieht, die "Foresight", also die Vorausschau. Sie stellt das zentrale Anliegen des Buches dar. Nur durch Vorausschau könnten die Menschen sich so auf die Nanorevolution vorbereiten, dass es ihnen gelingt, die Gefahren zu bannen, ehe sie von Welle des Fortschritts überrollt werden.

Obwohl das Buch schon 1986 geschrieben wurde, gilt es zu Recht immer noch als die wichtigste populärwissenschaftliche Einführung in die Nanotechnologie. In klarer Weise, und mit sehr soliden Argumenten werden die Strukturen und Möglichkeiten der Technik beschrieben. Dazu greift Drexler auf große Bereiche des Wissens zurück, von der Biotechnologie über die Physik, er erläutert ingenieurstechnische Verfahren und setzt sich mit der wissenschaftlichen Forschung und ihrer Wahrnehmung in der Öffentlichkeit auseinander. Man hat das Gefühl, dass er sich in allen diesen Bereichen gut auskennt und sie akkurat zu erläutern vermag.

In der Zeit, die seit dem Erscheinene des Buchs vergangen sind, haben sich Drexlers Vorhersagen bis jetzt im Großen und Ganzen bestätigt. Besonders interessant ist dabei das Kapitel über den Hypertext: Während die Struktur gut mit dem übereinstimmt, was jetzt im World Wide Web realisiert ist, so ist doch ein entscheidendes Detail anders, das dem Web einen durchaus anderen Charakter verleiht. In Drexlers Darstellung funktionieren Links in beide Richtungen, im jetzt realisierten Web jedoch nur in eine. Hier sieht man, wie schwer es ist, den Charakter der Zukunft zu erahnen, weil er wesentlich auch von unvorhersagbaren Details abhängt. Dennoch: Jeder, der sich dafür interessiert, wie die Technik der Zukunft aussehen mag, kommt um dieses Buch kaum herum, denn eines ist fast sicher: Egal wie die Zukunft genau aussieht, die Nanotechnologie wird eine zentrale Rolle spielen. Und Drexlers Buch bietet eine ausgezeichnete Einführung in diesen spannenden Forschungszweig.

Abschließend soll noch darauf hingewiesen werden, dass das Buch in elektronischer Form unter http://www.foresight.org/EOC veröffentlich ist, zusammen mit einem aktualisierten Nachwort des Autors. Auch die Haupt-Site, http://www.foresight.org, ist einen Besuch wert.

 


Rezensiert von Torsten Nahm.