Paul M. Churchland
Revised Edition
In diesem Buch geht es um eines der größten noch ungelösten Rätsel der Wissenschaft, um die Entstehung des Bewusstseins. Und obwohl das Bewusstsein schon früh als etwas Eigenes, den Menschen besonders Auszeichnendes erkannt wurde, so gibt es bis heute keine Theorie, die erklären kann, wie subjektives Empfinden in einer Welt aus toter Materie bestehen kann.
Der erste Teil des Buches gibt eine Einführung in verschiedene Problemstellungen, die sich bei der Erklärung von Bewusstsein ergeben, um an Hand dieser die konkurrierenden Erklärungsansätze zu erläutern. So werden bezüglich des ontologischen Problems (was ist das Wesen des Bewusstseins?) die verschiedenen Spielarten des Dualismus und des Materialismus erläutert, ferner das semantische (wie erlangen die Begriffe, die wir etwa zur Beschreibung von Gefühlen benutzen, ihre Bedeutung?), das epistemologische (was sind die Grundlagen der Introspektion?) und das methodologische Problem erörtert. Dabei gibt der Autor jeweils einen umfassenden Überblick über die bestehenden Theorien und führt Argumente für und wider sie an. Während er die unterschiedlichen Theorien möglichst sachlich und objektiv darstellt, legt er auch seine eigene Meinung dar. Dem Dualismus zum Beispiel steht er angesichts der großen Übereinstimmung zwischen den Strukturen der Materie des Gehirns und denen des Bewusstseins, die die Neurowissenschaft entdeckt hat, sehr skeptisch gegenüber.
Diese Überzeugung trägt den zweiten Teil des Buches, in dem er sich mit der Physiologie des Gehirns und allgemein den materiellen Grundlagen von Intelligenz und Bewusstsein beschäftigt. Churchland gibt einen groben Überblick über die Strukturen des Gehirns und ihre Funktion, und die Physiologie der Informationsverarbeitung auf der Ebene der Neuronen. Dabei kommt auch die elektronische Intelligenz nicht zu kurz, und sowohl klassische künstliche Intelligenz wie neuronale Netze werden dargestellt. In diesem Teil des Buches offenbart sich leider dessen größte Schwäche: es wurde 1988 geschrieben, so dass viele neue Entwicklungen der Neurowissenschaft und der künstlichen Intelligenz nicht berücksichtigt sind. Dennoch, auch wenn wir heute einiges mehr wissen: das, was Churchland sagt, stimmt, so dass dieser Teil als Einführung, wenn auch mit Einschränkungen, zur Einführung immer noch geeignet ist. Den Abschluss des Buches bildet das letzte Kapitel, in dem der Autor sich mit der Möglichkeit von Intelligenz und Bewusstsein an anderen Orten in unserem Universum befasst.
Was an dem Buch begeistert, ist die Klarheit der Konzepte und der Darstellung. Termini werden präzise eingeführt und mit sorgfältig ausgesuchten Beispielen erläutert, Argumentationslinien klar strukturiert ausgebreitet. Verbunden ist dies mit einer Sprache, bei der jedes Wort zum anderen passt, die komplizierte Konzepte durch präzise Wahl des Ausdrucks sofort verständlich werden lässt, und in dem die Reihe der Sätze nicht wie bei vielen anderen wissenschaftlichen Arbeiten wie eine Wurst erscheint, in die die einzelnen Fakten gleichsam hinein gestopft wurden, sondern die ein harmonisches Ganzes bildet, an dem es kaum möglich scheint, ein einzelnes Wort oder einen einzelnen Satz zum Besseren hin zu verändern. Insofern ist nur zu wünschen, dass der Autor bald eine neue Auflage schreibt. Solange dies nicht geschieht, müssen wir uns mit diesem Buch begnügen, dass nach wie vor eine exzellente Einführung insbesondere in die philosophischen Aspekte der Problematik darstellt und wärmstens zu empfehlen ist.