
Worauf gründet sich der Optimismus, schon bald geeignete technologische Mittel zur Umgestaltung unserer selbst nach eigenen Designplänen zur Verfügung zu haben? Im folgenden seien einige der absehbaren oder heute schon anwendbaren Techniken und ihre potentielle Anwendung vorgestellt.
Der Molekularbiologie haben wir eine der wohl wichtigsten Entdeckungen der Menschheitsgeschichte überhaupt zu verdanken: die Entdeckung unseres eigenen "Bauplans", der DNA. Sie stellt gewissermaßen das Programm dar, nach dem alle auf der Erde lebenden Wesen konstruiert sind. Erst dadurch ist es denkbar geworden, auf unsere biologische Konstitution grundlegenden Einfluß nehmen zu können. Während sich der in der DNA gespeicherte Code über einen langen Zeitraum evolutionär, aber ziellos entwickelt hat, wird es uns durch seine Entschlüsselung möglich, ihn zielgerichtet zu optimieren. Wir werden nicht nur in der Lage sein, den Code zu "debuggen", d.h. unerwünschte Nebenwirkungen zu entfernen und suboptimale Lösungen zu verbessern, sondern auch, ganz neue Eigenschaften hinzuzufügen. Vorrangige Ziele dürften etwa die Überwindung von Krankheiten und Krebs sowie des Alterns sein; später werden dann verbesserte Lösungen für von der Natur schlecht (d.h. nicht in unserem Sinne) ausgeführte Konstruktionen angedacht werden. Dies ist Aufgabe der Gentechnik, die sich mit der Beeinflussung des Erbmaterials im Zellkern beschäftigt u.a. zum Zwecke der Hervorbringung neuer Eigenschaften an biologischen Organismen. Erste Erfolge bei Pflanzen und Tieren geben Anlaß zu der Hoffnung, daß der noch weitverbreitete ideologische Widerstand gegen solche Manipulationen am Erbmaterial des Menschen schwindet, sobald der ungeheure Nutzen dieser Technik praktisch sichtbar wird. Denkbar sind hier nicht nur Eingriffe in die Keimbahn des Menschen (sog. Reprogenetik), die zu dauerhaften vererbbaren Veränderungen des genetischen Materials in den Keimzellen führen (und damit langfristig möglicherweise zu einer Veränderung der gesamten Art), sondern auch das Einbringen veränderter Gene in bestimmte Gewebe des entwickelten Organismus (sog. somatische Therapie) zum Zwecke der Heilung genetisch bedingter Krankheiten. Dies führt auf das Feld der modernen Medizin, die von solcherart neuen Methoden zunehmend profitieren und Gesundheit weit besser als bisher erhalten bzw. wiederherstellen können wird.
Eine ganz andere, aber nicht minder umwälzende Entwicklung vollzieht sich auf dem Gebiet der unbelebten Natur (obwohl die Grenze zwischen belebter und unbelebter Natur diffuser wird, worauf wir weiter unten noch zurückkommen). Dank modernster physikalischer und chemischer Instrumentarien sind wir inzwischen in der Lage, einzelne Atome, die Bausteine der materiellen Welt, gezielt zu manipulieren. Dies eröffnet uns die grandiose Vision einer molekularen Nanotechnologie, durch die wir imstande sein werden, die Materie Atom für Atom mit Hilfe nanometergroßer Maschinen (sog. Assembler) nach unseren Vorstellungen umzubauen. Unser Leben wird sich dadurch grundlegend verändern, denn die Anwendungsmöglichkeiten sind zahllos: abfallfreie und wirklich umweltschonende Produktion aller nur denkbaren Güter und Materialien (mit heute unerreichbaren Eigenschaften), gezielte und wirkungsvolle Beseitigung von Abfällen und Umweltschäden der gegenwärtigen Industriegesellschaft, Einsatz in der Medizin zur Bekämpfung von Krankheiten und Verbesserung körperlicher Eigenschaften auf Zell- und Molekülebene (!) etc.
Und natürlich die Konstruktion von Computern, deren Rechenleistung um Größenordnungen über der heute erreichbaren liegt. Was die (notwendige?) Basis für die Erschaffung künstlicher Intelligenz legen würde, an deren Entwicklung schon heute intensiv gearbeitet wird (mit teilweise beachtlichen Erfolgen - man denke nur an Schachcomputer), die aber sicherlich weit höhere Verarbeitungskapazitäten voraussetzt, als die besten Maschinen heute zu liefern vermögen. Ein auf mechanischer, elektronischer oder gar optischer Grundlage arbeitender "Nanocomputer" dagegen besäße eine Speicherkapazität, die die des menschlichen Gehirns (des größten Datenspeichers, den wir kennen) bei weitem übertreffen könnte. Und dessen Verarbeitungsgeschwindigkeit bedeutend größer wäre als die der auf Ionenleitung beruhenden äußerst langsamen biologischen Lösung.
Beste Voraussetzungen also, sowohl für die Schaffung künstlichen Bewußtseins (in Zusammenarbeit mit z.B. den Kognitionswissenschaften, die die Funktionsweise und Grundlagen des Bewußtseins am bisher einzigen konkreten Beispiel - dem Menschen - studieren), als auch, in einem ersten Schritt, für die Erweiterung und Verbesserung des menschlichen Geistes durch Kopplung des Gehirns an externe (oder implantierbare) Computer (mit Hilfe der Medizin), was zusätzliche oder verbesserte Funktionalität mit sich bringen wird. Den Abschied vom "Menschsein" im heutigen Sinne könnten wir spätestens dann konstatieren, wenn wir in der Lage wären, den menschlichen Geist (unsere Software) auf künstlicher Hardware, auf Computern ausreichender Rechenleistung, ablaufen zu lassen (sog. uploading). Wir wären dann dem alten Traum von Unsterblichkeit ein großes Stück näher (Sicherungskopien des Gehirns machten dies möglich), und die Verbindung vieler einzelner Geister zu einem "Super-Bewußtsein" planetaren Maßstabs wäre der Beginn einer Intelligenz, die auf kosmischen Skalen agiert und nichts mehr gemein hat mit den denkenden Zweibeinern auf wäßriger Basis, aus denen sie einst entstand... Diese Liste transhumanistischer Techniken ist natürlich nicht vollständig. Erwähnenswert wären z.B. weiterhin: Designerdrogen zur chemischen Beeinflussung des Bewußtseins (im biologischen Gehirn) zur Intelligenzverstärkung und Änderung unerwünschter Gemütszustände; die Theorie komplexer Systeme, die beschreibt, wie sich aus einfacheren Strukturen durch Selbstorganisation hochentwickelte Einheiten wie das menschliche Bewußtsein entwickeln können; während die Evolutionstheorie beschreibt, wie sich diese Systeme in Wechselwirkung miteinander und mit der Umgebung weiterentwickeln; Memetik, beschreibt die Evolution von Ideen im Umfeld informationsverarbeitender Systeme (z.B. Gehirn); die Raumfahrt, von der letzlich eine Lösung für das Problem der begrenzten Entwicklungskapazitäten der Menschheit auf ihrem Heimatplaneten durch Nutzbarmachen anderer Planeten erhofft wird; viele weitere ließen sich aufzählen oder werden sich in Zukunft als nützlich erweisen.
(F. Prengel, T. Nahm)